Die Burg gen. der „Perch“ – der Fund

Ersterwähnung: 13871A 5 Nr. 423/3; (Abschrift: HStAM, Urk. 100, 2094)
zerstört: 1785 Ruine
Wiederentdeckt: 1999

Im Sommer 1999 begann der Bau des Kulturzentrums im südlichen Schlossgarten an der Beuerner Straße. Bei den Ausschachtungsarbeiten des nordwestlichen Kellerbereichs beobachtete Karl Heinz Frank vom Heimatkundlichen Arbeitskreis Buseck eine Steinmauer im Erdreich. Die Bauarbeiten wurden sofort gestoppt und es folgte eine archäologische Untersuchung. Dabei zeigte sich, dass sich an dieser Stelle die Grundmauern einer Burganlage – eines Wohnturmes – befanden.
Der leicht rechteckige Wohnturm hatte Abmessungen von 10,60 x 8,70 Meter. Seine Mauerstärke betrug zwischen 1,30 bis 1,90 Meter. Das Fundament des Turmes war ca. 60 cm tief erhalten. Damit hat der bebaute Raum eine Größe von knapp 39 Quadratmeter. Die Mauern waren in der damals üblichen Schalenbauweise errichtet. An der Südwestmauer fanden sich zwei ca. 2,40 Meter lange Mauerzüge. Die sich verjüngenden Mauerzüge enden mit einer geraden, gemauerten Kante.2Warnecke, S. 19 Eine Erklärung für diese Mauerzüge ließ sich nicht finden.

Luftbild 1999 Ausgrabung der Burg gen. der "Perch"

Luftaufnahme des Grabungsgelände mit Wassergraben, 1999

Luftbild 1999 Ausgrabung der Burg gen. der "Perch"

Der spätmittelalterliche Wohnturm nach der Ausgrabung.
Länge der Fluchtstange 2 m. 1999

Im Zuge der Untersuchungen stieß man auf einen ca. 13 Meter breiten und ungefähr 2 Meter tiefen Umfassungsgraben um den Wohnturm herum. Selbst im recht heißen Sommer 1999 füllte sich der ausgeschachtete Kellerbereich, in dem der Verlauf des Grabens sichtbar wurde, rasch mit Wasser. Die Untersuchung der Grabenverfüllung aus Torf mit zahlreichen organischen Einschlüssen deutet auf ein stehendes Gewässer hin, in dem sich im Laufe der Zeit verschiedene organische Materialien (Zweige, Blätter, etc.) ansammelten. Bei dem auf der Turmseite liegende Ufer fanden sich senkrechte Pfähle, die durch Zweige miteinander verflochten waren. Hierbei dürfte es sich um eine Uferbefestigung gehandelt haben.
Nach der Aufgabe des Grabens wurde er mit Bauschutt verfüllt. Darin fanden sich u. a. Schieferplatten, Ziegelsteine, Tierknochen und neuzeitliche Keramik.3Warnecke, S. 22Bei der Anlage handelt es sich demnach um einen Wassergraben, der die Turmburg im Abstand von 7,0-8,0m, im Süden ca. 10,0m, vollständig umschlossen hat. Aufgrund der Beobachtungen während der archäologischen Untersuchung ist von einem rechteckigen Grabenverlauf auszugehen“ so der Ausgräber Warnecke4Warnecke, S. 22.

Seine Funde decken sich über Entstehung und Verfall mit den schriftlichen Quellen zur Burg gnt. der Perch.

Wassergraben, Ausgrabung 1999

Wassergraben, 1999
(c) Walter Zecher


Quellen:

Literatur:
Elke Noppes; Ilse Reinholz-Hein: Die Turmburg in Großen-Buseck genannt der Perch. Buseck 2002
Thilo F. Warnecke: Die spätmittelalterliche Niederungsburg genannt der „Perch” von Großen-Buseck, Kr. Gießen; S. 19-27 in: Elke Noppes; Ilse Reinholz-Hein: Die Turmburg in Großen-Buseck genannt der Perch. Buseck 2002


  • 1
    A 5 Nr. 423/3; (Abschrift: HStAM, Urk. 100, 2094)
  • 2
    Warnecke, S. 19
  • 3
    Warnecke, S. 22
  • 4
    Warnecke, S. 22
Nach oben scrollen