Die Burg gen. der „Perch“

in schriftlichen Quellen

Ersterwähnung: 13871A 5 Nr. 423/3; (Abschrift: HStAM, Urk. 100, 2094)
zerstört: 1785 Ruine

Der Name „Perch2Bisher konnte keine Erklärung für diese Bezeichnung einer Burg gefunden werden. taucht im Zusammenhang mit einer Burg nur in zwei Belehnungen des Caspar v. Trohe auf.31466 – HStAD A 5 Nr. 423/14; 1490 – A 5 Nr. 423/23 und A 5 Nr. 423/24 In den Lehnsbriefen heißt es: „die Burg zu Grossen Buseck gnt der Perch mit aller irer Zugehörung inmassen die Henne von Drahe den man nennt Lebensteyn inlehen herbracht hat.4HStAD A 5 Nr. 423/14 Die Burg des Henne v. Trohe gen. Löwenstein ist uns aus einem Lehnsrevers des Jahres 1387 bekannt, allerdings ohne den Zusatz „Perch„.5A 5 Nr. 423/3; (Abschrift: HStAM, Urk. 100, 2094) Henne trägt scheinbar in diesem Lehnsbrief seine Burg zu Großen-Buseck den Landgrafen zu Lehen auf. Im Revers ist ausdrücklich eine spätere Übertragung auf mögliche Töchter vorgesehen.
Die nur Bruchstückhaft zu rekonstruierende frühe Verwandtschaft der Familie von Trohe lässt uns nicht mal ansatzweise vermuten in welcher Beziehung der 1466 und 1490 belehnte Caspar v. Trohe zu Henne v. Trohe gnt. Löwenstein stand.

Wenn Henne v. Trohe gnt. Löwenstein seine Burg – die spätere „Burg gen. der Perch“ – 1387 dem Landgrafen auftrug, dann dürfte diese nicht identisch sein mit der Burg in Großen-Buseck die bereits 13556A 5 Nr. 423/1 – bezieht sich auf eine Burg in Großen-Buseck und 13717HStAM, Urk. 14, 4630; alt: HStAM AI und AII v. Drahe 1371, 2. Aug. – bezieht sich auf eine Burg mit Garten in Großen-Buseck. Öffnung für Töchter wird zugesichert. jeweils mehreren Mitgliedern der Familie v. Trohe als Lehen übertragen wurde.

Weitere Lehnsbriefe, die wir der „Burg gnt. der Perch“ zuordnen können gibt es nicht. Nur ein paar Erwähnungen in der der „Perch“ lediglich als Nebenschauplatz auftaucht.
So finden wir die Burg noch einmal in einer Lagebeschreibung um 1489 auf. Im sog. Register über den Arnsburger Kauf heißt es: „Wigel Harbach eyne halben gulden, eyne mesten oleis Buchsecker maiß unde eyne fastnachthone von eynem hoffe, gelegen am Hoenberge uff der rechten syten hinder Henne von Drahen burgk, ist itzunt eyne gart8dürfte sich auf den Hof beziehen, unde von dry morgen landes, gelegen uff dem Haneberge am hoesten by Geffert uff dem Bach; eyne halben morgen hart hinder dem gnanten garten uff dem zune.“

Die nächste Erwähnung des Geländes, der „Perch“ genannt, erscheint erst wieder in einem Rezeß von 1526. Dort ist das Gelände im Besitz von Hartmann Schutzbar gen. Milchling, der mit den Mitgliedern der Familie v. Trohe prozessiert. Hier ist nicht mehr von einer Burg die Rede, sondern von einem „Hofmann des Pferches“ und von einem „Hof auf dem Pferche„.9Memoriale S. 378 Beides keine Hinweise auf eine Burg, sondern lediglich auf ein Gut im Adelsbesitz.

50 Jahre später taucht der Name „Perch“ erneut auf. In einer Zeugenaussage des Jahres 1576 gibt Georg Schutzbar gen. Milchling an, dass er im Perch wohnt. Zur gleichen Zeit wird das spätere Schloss renoviert, denn es soll nach alten Aussagen im Jahr 1582 neu erbaut worden sein.10Handschrift Universitätsbibliothek Gießen: HS 467/50; um 1785 Ein Datum, welches sich sicherlich auf das Ende der Bauarbeiten bezieht. Damit dürfte das Schloss selber im Jahre 1576 nur schwerlich bewohnbar gewesen sein. Jedenfalls nicht für einen Angehörigen des Adels, der wohl kaum im Lärm und Dreck von Umbauarbeiten leben wollte.
Dieser 1576 noch bestehende „Hof auf dem Pferche“ dürfte im Anschluss dem Verfall preisgegeben worden sein. Die weiteren Akten über das Burglehen in Großen-Buseck ab der Mitte des 18. Jahrhunderts kennen diesen Hof nicht mehr.

Wir können beim aufmerksamen Lesen der Akten noch weitere Hinweise auf die oben geschilderte Situation finden. Im Lehnsbrief des Johann Philipp v. Buseck gen. Münch von 1629 heißt es unter den Lehnsstücken: „…eine Hofstatt, daraus ein Garten gemacht…„. In einem Zustandsbericht über die Lehen, den Crafft Adam v. Buseck gen. Münch 1695 an den Landgrafen schreibt, heißt es: eine “wüste Hofstatt über Menschengedenken hero ödt und unbebaut”.
Meines Erachtens beziehen sich diese Hinweise alle auf ein und denselben Hof, die ehemalige Burg gen. der „Perch“.
Noch eine weitere Stelle, eine handschriftliche Notiz aus der Zeit um 1785, soll hier angeführt werden. In dem Schreiben eines Anwalts heißt es , es soll:
…in dem großen Obstgarten hinter dem Hofhauß die alte Burg genannt der Perch gestanden haben, welche mit einem Wassergraben soll versehen gewesen seyn. Die Rudera (Ruinen) sind noch sichtbar und dato noch eine tiefe mit Sumpf und Sud darin zu sehen. Dieser garthen wird auch heute zu tags der Perchgarten genant….„.11Handschrift Universitätsbibliothek Gießen: HS 467/50; um 1785

Im Jahr 1999 wurde beim Bau des Kulturzentrums eine Turmanlage ausgegraben. Nach den Grabungsergebnissen handelt es hierbei um die hier beschriebene Burg gnt. der Perch.

Schlosspark 1999, Gelände vor Baubeginn.
Schlosspark 1999, Gelände vor Baubeginn.

Schlossparkgelände vor Beginn der Aushubarbeiten für den Bau des Kulturzentrums in Großen-Buseck, 1999


Quellen:
HStAD = Hessisches Staatsarchiv Darmstadt
HStAM = Hessisches Staatsarchiv Marburg
Universitätsbibliothek Gießen

Literatur:
v. d. Malsberg: Memoriale an die hochlöb. allgemeine Reichsversammlung zu Regenspurg mit beygefügter Specie Facti und … Deduction vieler … nullitäten … einer bei dem … Reichshofrath in Sachen der Unterthanen und Eingesessenen des Busecker Thals … wider … Ernst Ludwigen Landgrafen zu Hessen … beschlossenen Urtheil von der … Hessischen Gesandschaft übergeben; Gießen 1707
Elke Noppes; Ilse Reinholz-Hein: Die Turmburg in Großen-Buseck genannt der Perch. Buseck 2002


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    A 5 Nr. 423/3; (Abschrift: HStAM, Urk. 100, 2094)
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    Bisher konnte keine Erklärung für diese Bezeichnung einer Burg gefunden werden.
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    1466 – HStAD A 5 Nr. 423/14; 1490 – A 5 Nr. 423/23 und A 5 Nr. 423/24
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    HStAD A 5 Nr. 423/14
  • 5
    A 5 Nr. 423/3; (Abschrift: HStAM, Urk. 100, 2094)
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    A 5 Nr. 423/1 – bezieht sich auf eine Burg in Großen-Buseck
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    HStAM, Urk. 14, 4630; alt: HStAM AI und AII v. Drahe 1371, 2. Aug. – bezieht sich auf eine Burg mit Garten in Großen-Buseck. Öffnung für Töchter wird zugesichert.
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    dürfte sich auf den Hof beziehen
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    Memoriale S. 378
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    Handschrift Universitätsbibliothek Gießen: HS 467/50; um 1785
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    Handschrift Universitätsbibliothek Gießen: HS 467/50; um 1785
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