Am 5.September 1694 wird in Großen-Buseck der Ehevertrag zwischen dem Baron Hieronymus Franciscus de Leslie und dem wohlgeborenen Fräulein Sophia Elisabeth v. Buseck gen. Münch unterzeichnet.1HStAM Best 340 Nordeck zur Rabenau I/2
Baron Hieronymus Franciscus de Leslie aus dem Hause Ballaquine war Schotte.2siehe Bunz und HStAM Best 340 Nordeck zur Rabenau II/2 Er gehörte dem in Schottland üblichen katholischen Glauben an. Das Busecker Tal war zu dieser Zeit bereits evangelisch.
Wie unser Baron de Leslie ins Busecker Tal kam oder wo und wie er Sophia Elisabeth kennenlernte, ist uns nicht bekannt. Das Ehepaar de Leslie wird seinen Wohnsitz gleich im Schloss genommen haben. Im Testament ihres Onkels, Crafft Adam v. Buseck gen. Münch, wird ihr jedenfalls ein Wohnrecht im Schloss zugesprochen. Dort heißt es: „…meiner H. Baaße von Leslie soll in diesem grosen münchischen Hauße so lang subsistiuma3ihren Lebensunterhalt finden,biß dero selben Ihre Versprochene Heirathsgelder gereicht werden, Ich habe auch das Vertrauen In meine beyden Herrn Vettern, Sie werden Ihr H…. Sie nicht selbsten solche Wohnung besitzen oder zu bewohnen nötig haben, auch nach ausgezahlten Heirathsgeldern dieselben umb billigen Zinß4verbleiben lassen„.5HStAM Best 340 Nordeck zur Rabenau I/2; Testament Punkt 6
Das Vertrauen Crafft Adams in seine Neffen Wilhelm Moritz und Friedrich Ludwig, die Brüder Sophia Elisabeths, war gerechtfertigt. Wie aus einem Protokoll des Jahres 1711 hervorgeht, identifizierte die Bevölkerung das Schloss mit dem Baron v. Leslie. In diesem Protokoll ist vom Schloss immer als dem „adel. v. Leslie`schen Hause“ die Rede und das, obwohl Baron v. Leslie, nach eigenen Angaben, bei seinen Schwägern zur Miete wohnte und nur „ein oder zwey stuben und etliche Kammers“ darin hatte.
Das Ehepaar de Leslie wohnte wohl über 30 Jahre im Schloss. Der Baron stirbt am 26. Oktober 1728 in Großen-Buseck.6FB GBu 624 Da er katholisch war, durfte er nicht einfach begraben werden. Sein Schwiegersohn v. Nordeck zur Rabenau mußte in Gießen um Genehmigung ersuchen, damit der Pfarrer eine ordentliche Bestattung ausrichten konnte. Die ganze Angelegenheit machte ziemlichen Verdruss. Es endete damit, dass der Pfarrer für den Baron de Leslie eine Rede im Hof hielt und ihm in der Kirche gesungen wurde.
Nach seinem Tode ist Sophia Elisabeth anscheinend zu ihrer Tochter Johanna Magdalena v. Nordeck zur Rabenau nach Londorf gezogen. Dort stirbt sie am 15. Juni 1734 im Alter von 79 Jahren.7KB Londorf
Daß bei der Münchischen Erbteilung das Schloss Johanna Magdalena zugeschlagen wird, dürfte sicherlich an ihrer persönlichen Bindung zum Schloss liegen. Sie ist nach den vorliegenden Unterlagen im Schloss aufgewachsen.
überarbeiteter Nachdruck aus: Elke Noppes, Das Ehepaar de Leslie. Veröffentlicht in: Das Schloß in Großen-Buseck, S. 56
Quellen:
HStAM = Hessisches Staatsarchiv Marburg
KB Londorf = Kirchenbuch Londorf
Literatur:
Rainer Bunz: Die Freiherren von Leslie aus Speyer – Ein Nachtrag; Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz Bd. 108 (2010) S. 95-120
Hanno Müller: Großen-Busecker Familienbuch; Fernwald-Steinbach 1993 = FB GBu
Elke Noppes, Ilse Reinholz-Hein, Albrecht Kaul: Das Schloß in Großen-Buseck; Frankfurt 1997
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- 2siehe Bunz und HStAM Best 340 Nordeck zur Rabenau II/2
- 3ihren Lebensunterhalt finden
- 4verbleiben lassen
- 5HStAM Best 340 Nordeck zur Rabenau I/2; Testament Punkt 6
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