700 Jahre Großen-Buseck – und was ist mit der Kirche?

Es erscheint regelmäßigen Lesern unserer Busecker Geschichtsbriefe sicher paradox im Jahr 2026 “700 Jahre Großen-Buseck” feiern zu wollen. Schließlich wurde im Jahr 1999 “800 Jahre Kirche in Großen-Buseck” gefeiert. So ist das mit zufälligen Überlieferungen.
In das Jahr 1199 datiert die Nennung eines Priesters in Buseck. Diese Nennung wurde von uns auf Großen-Buseck bezogen und passt zu dendrochronologischen Datierungen der Kirche auf dem Anger in Großen-Buseck.
Theoretisch könnte man die Erwähnung 1199 auch auf die Kirche in Alten-Buseck beziehen. Doch kann man erwarten, dass mit dem Bau der monumentalen Kirche in Großen-Buseck, diese zur Hauptkirche wurde und sich die Nennung des Priesters in Buseck auf die Großen-Busecker Kirche bezieht. Die Kirche, auch aufgrund der dendrochronologischen Untersuchungen ihrer Dachstühle, ist somit deutlich älter als die Ersterwähnung Großen-Busecks in einer Urkunde.

Noch gravierender ist der Unterschied der Ersterwähnung zum vermeintlichen Alter des Ortes bei Rödgen – welches seine offizielle Ersterwähnung ebenfalls in der Urkunde von 1326 zusammen mit Großen-Buseck findet.
Rödgen, die alte Namensform „Rode“, deutet auf eine Entstehung durch Rodung von Gelände/Wald hin. Dies war in Hessen meist im 11. Jahrhundert mit Höhepunkt im 12. Jahrhundert der Fall. Auf Grund seiner, doppelten kirchlichen Zuordnung, müsste Rödgen vor 1129 (der Gründung des Klosters Schiffenberg) entstanden sein. Wahrscheinlich geht die Entstehung des Ortes sogar in die “erste Zeit des hochmittelalterlichen Landausbaues … (11. Jahrundert)” zurück.

Zu den Orten mit Rodungsnamen gehören auch Bersrod, Oppenrod und, das durch Besitz lange mit dem Busecker Tal verbundene, Winnerod.
Wir dürfen davon ausgehen, dass alle Orte des Busecker Tales bereits vor 1200 vorhanden waren. Bei den meisten Orten haben wir keine Vorstellung davon wie sie entstanden sind. Wahrscheinlich durch Ansiedlung einer Familie, Großfamilie, vielleicht auch eines Sippenverbandes. Vielleicht als Einzelgehöfte oder Weiler die sich durch fremde Ansiedelung weiterentwickelten, während benachbarte Besiedlungen wüst fielen. Die ersten Siedlungen entstanden auf Höhenrücken. Dies ist bei Alten-Buseck und Rödgen zu beobachten. Später siedelte man im Tal, wie in Großen-Buseck und Trohe.
Ich hoffe diese Hinweise verdeutlichen wie Abhängig Feiern auf Ersterwähnungen von der Überlieferungslage sind und dass diese Daten nicht das wahre Alter einer Ortschaft wiedergeben.
Im unteren Kästchen finden sie recherchierte Ersterwähnungsdaten (nicht für alle liegt ein Gutachten des Staatsarchivs vor). In dieser Liste weicht Trohe mit seiner Feier im Jahr 2010 ab.

Ersterwähnungen der
Gemeinden im Busecker Tal:

Albach (Ober-) (Ersterwähnung 1239)
Alten-Buseck (Ersterwähnung 786)
Bersrod (Ersterwähnung 1266/76-1286/89)
Beuern (Ersterwähnung zwischen 1199 und 1219)
Burkhardsfelden (Ersterwähnung 1210)
Großen-Buseck (Ersterwähnung 1326)
Oppenrod (Ersterwähnung 1245)
Reiskirchen (Ersterwähnung 1238)
Rödgen (Ersterwähnung 1326)
Trohe (Ersterwähnung 1327 [Meinung des Autors])

Nachdruck aus Busecker Geschichtsbrief 2/1025


Quellen:
HStAD = Hessisches Staatsarchiv Darmstadt

Literatur:
Ludwig Baur: Hessische Urkunden, Darmstadt 1862 ff. (HUB)
Arthur Wyß (Hg.): Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. 3 Bde. Leipzig 1879-1899


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