weitere Namen: unbekannt
Lage/Anschrift: Leppermühle 1, 35418 Buseck- Großen-Buseck
Zustand: stillgelegt spätestens 1927
Ersterwähnung: 17201FB GBu Burkh. Nr. 46
Infos: Wassermühle an der Wieseck
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Das genaue Alter der Leppermühle lässt sich nicht feststellen. Zur frühen Geschichte liegen nur sporadische Überlieferungen vor.
Die Leppermühle ist die erste der an der Wieseck liegenden Mühlen in der Gemarkung Großen-Buseck.
Es darf davon ausgegangen werden, dass es sich bei ihr – wie bei der Belzer-Mühle in Trohe – um eine späte, private Gründung handelt. Im Gegensatz zur Belzemühle sind uns jedoch keine Unterlagen zur Gründung und Genehmigung des Mühlenbetriebes erhalten.
Die Mühle wird in Großen-Buseck erstmals in einem Sterbeeintrag des Jahres 1724 erwähnt. Im Kirchenbuch Großen-Buseck heißt es unter den Verstorbenen: „die alte Lepper-Müllerin Anna Margreth“.2 FB GBu Nr. 634 und Kirchenbuch Großen-Buseck
Der Name der Mühle geht auf langjährige Betreiber oder Eigentümer zurück. Die Familie Lepper ist ein eingessessenes Müllergeschlecht, welches sich auf verschiedenen Mühlen im Tal findet.
Der Familienname Lepper findet sich seit Beginn der Kirchenbuchaufzeichnungen in Großen-Buseck. Der Leppermüller Johannes Lepper, der Scheidemüller Joh. Daniel Lepper und der Beuerner Dorfmüller Cornelius Lepper sind alle Söhne von Bathasar Lepper3FB GBu Nr. 636 in Großen-Buseck, dessen Frau 1720 Patin in Burkhardsfelden ist4FB GBu Burk. Nr. 46 und ihr Mann als Leppermüller bezeichnet wird.
Die Quellenlage zur Leppermühle ist nicht sehr umfangreich. Im Staatsarchiv Darmstadt gibt es Akten wegen Streitigkeiten des Fußmüllers Georg Fiedler mit dem Leppermüller Anton Huber aus dem Zeitraum 1859-18715HStAD G 23 E Nr. 487/1-4 und HStAD G 26 A Nr. 495/27-30. Streitthema: Wassergerechtigkeiten. Das immerwährende Thema zwischen Müllern.
Anton Huber hatte zur Müllerei noch Nebengewerbe angemeldet. Zuerst betrieb er laut Gewerbebuch von 1855 als Müller seine Mühle mit 1 Mahl- und 1 Schlaggang. Dabei hatte er bis 1869 noch Branntweinbrennerei zum Nutzen eigener Oeconomie6 GB 1 Nr 739 als Gewerbe angemeldet. Dieses meldete er 1869 und betrieb nun einen Brantwein & Apfelweinverkauf über die Straße bis 1871.7 GB 1 Nr 812
Unter der Familie Huber war die Müllerei als Gewerbe angemeldet. Nach dem Tod von Anton Huber ging das Anwesen laut Grundbuch auf den Sohn Eberhard8FB GBu Nr. 2059 über. Der jüngere Bruder Karl Anton Huber9FB GBu Nr. 2060 arbeitete scheinbar auf der Mühle mit.10Wird im FB GBu Nr. 2060 ohne Jahresangabe als Müller auf der Leppermühle bezeichnet. Nach dem Tod Eberhard Hubers wurde die Mühle verkauft. Karl Anton Huber wird im Adressbuch 1905 in der Bismarckstraße genannt und lebte von der Landwirtschaft.
Inwieweit die Ländereien bereits nach dem Tod von Anton Huber 1880 unter den zahlreichen Kindern verteilt wurden, läßt sich nicht nachvollziehen.
Die Müllerei jedenfalls dürfte nach dem Verkauf 1904 kaum noch eine Rolle gespielt haben. Bei den nun rasch folgenden Eigentümerwechsel wurde nur einmal kurzfristig ein Mühlengewerbe angemeldet. Der erste Käufer Wilhelm Fritzel zu Reiskirchen, war 1905 Wirt des Gasthauses zur Krone in Reiskirchen und nie in Großen-Buseck gemeldet. Nach kurzer Zeit verkaufte er das Anwesen an Jakob Persyn aus Gießen. Dieser war zum Zeitpunkt des Kaufes Inhaber der Dampfmolkerei Gießen. Drei Jahre nach dem Kauf meldet er sich mit seiner Familie in Großen-Buseck an. Als Beruf nennt er hier Landwirt. 1910 verzieht die Familie nach „Holland“. Es folgen zwei Eigentümer, die nicht in Großen-Buseck gemeldet waren und über die sich nichts finden läßt. Ob in ihrer Zeit die Mühle betrieben wurde ist unbekannt.
Konrad Rosenkranz war Oberbahnassistent und zog mit Familie von Frankfurt für ca. 2 Jahre nach Großen-Buseck. Victor Slotosch betrieb in Bergen-Enkheim eine „Eisengießerei, die sich mit der Zeit zu einer Fabrik für Spezialstähle entwickelte„11Wikipedia: Wikipedia, Straßennamen in Frankfurt/Main. Er lebte zeitweise mit Familie über die Sommermonate in Großen-Buseck. Die nächsten Eigentümer waren Gerard Oudshoven und Frau Maria geb. Schönburg aus den Niederlanden. Als Beruf ist Kaufmann angegeben, ihr Aufenthalt in Großen-Buseck betrug nur wenige Monate. Ob einer dieser Eigentümer einen Pächter als Müller auf der Mühle hatte ist unbekannt.
Der letzte Müller der Mühle war der ledige Hans Müller aus Bleialf12Bleialf ist eine Ortsgemeinde in der Schneifel im Eifelkreis Bitburg-Prüm in Rheinland-Pfalz, unweit von Prüm. Unter ihm wird drei Jahre nach Kauf, 1924, ein Mühlengewerbe angemeldet. Zwei Jahre später kam es jedoch zur Zwangsversteigerung.13GemA Rsk, R, 3822 – Mitteilung des Amtsgerichtes zur Zwangsversteigerung auf den Namen d. Hans Müller in Großen-Buseck über Äcker, Wiesen und die Hofreite Leppermühle aus dem Jahr 1926
Der Name Reinschmidt ist eng mit der ausgehenden Mühlengeschichte der Leppermühle im Dorf verbunden. Eigentümerin war Else Reinschmidt geb. Seng, Ehefrau des Heinrich Reinschmidt. Heinrich stammte aus Großen-Buseck. Er war Versicherungsagent und hatte ein Immobilienbüro in Gießen und der Leppermühle. Er verkauft 1927 das Wasserrrecht der Mühle an die Gemeinde Reiskirchen. Diese beseitigt das Wehr und damit war die Geschichte der Leppermühle als Mühle endgültig zu Ende.
Heinrich Reinschmidt verstirbt 1951 in Gießen. Seine Frau Elise verzieht 1954 nach Gießen. Wie die Leppermühle in dieser Zeit genutzt wurde ist nicht völlig geklärt. In den 1930er Jahren betreibt der Prediger Friedrich Caspar ein Christliches Erholungsheim Leppermühle. 1963 wird das Areal an den Verein für Jugendfürsorge und Jugendpflege in Gießen, Dietzstraße 15 verkauft.14GemA Buseck GB 1 Nr. 9041
Der Verkauf des Wasserrechts scheint interessant gewesen zu sein. Er fand Niederschlag in einem Zeitungsbericht: Großen-Buseck, 19. März. Unser Tal ist reich gesegnet mit Mühlen. Die zwischen hier und Reiskirchen gelegene Leppermühle gehört seit kurzem als Mühle der Vergangenheit an. Der vorletzte Besitzer war ein aus Eupen-Malmedy Vertriebener. Er hat die Mühle neuzeitlich umgebaut und auch den Mahlbetrieb einige Jahre lang ausgeführt. Im vergangenen Herbst ist die Mühle mit dem dazu gehörigen Grundbesitz an einen Bürger von hier käuflich übergegangen. Dieser hat nun neuerdings das Wasserrrecht an die Gemeinde Reiskirchen verkauft. Der Mühlgraben zweigt nämlich in dem Wiesengrund Giebenhausen von der Wieseck ab. Die Stauung durch das Wehr hatte zur Folge, daß der Wiesengrund nach und nach versumpft. In nassen Jahren konnte das Heu kaum herausgefahren werden. Um die Wiesen vor der Versumpfung zu retten, mußte das Wehr beseitigt werden. Aus diesem Grunde hat die Gemeinde Reiskirchen das Wasserrecht gekauft, und die Leppermühle ist dadurch aus dem Busecker Tal als Mühle für immer beseitigt. Wie man hört, soll sie zu einem Erholungsheim, ähnlich dem Bibelheim bei Flensungen, umgebaut werden. Hierzu dürfte sie sich durch die sonnige Lage und durch die Nähe des Waldes auch gut eignen.15Gießener Anzeiger vom 21.03.1927 Seite 6
Quellen:
HStAD = Hessisches Staatsarchiv Darmstadt
GemA Buseck = Gemeindearchiv Buseck
GemA Rsk = Gemeindearchiv Reiskirchen
Kirchenarchiv Großen-Buseck
Literatur:
Adreßbuch der Stadt und des Kreises Gießen, Gießen 1905
Hanno Müller: Oppenröder und Burkhardsfeldener Familienbuch, Steinbach 1992 = FB Burk
Hanno Müller: Großen-Busecker Familienbuch, Fernwald-Steinbach 1993 = FB Gbu
- 1FB GBu Burkh. Nr. 46
- 2FB GBu Nr. 634 und Kirchenbuch Großen-Buseck
- 3FB GBu Nr. 636
- 4FB GBu Burk. Nr. 46
- 5HStAD G 23 E Nr. 487/1-4 und HStAD G 26 A Nr. 495/27-30
- 6GB 1 Nr 739
- 7GB 1 Nr 812
- 8FB GBu Nr. 2059
- 9FB GBu Nr. 2060
- 10Wird im FB GBu Nr. 2060 ohne Jahresangabe als Müller auf der Leppermühle bezeichnet.
- 11Wikipedia: Wikipedia, Straßennamen in Frankfurt/Main
- 12Bleialf ist eine Ortsgemeinde in der Schneifel im Eifelkreis Bitburg-Prüm in Rheinland-Pfalz, unweit von Prüm
- 13GemA Rsk, R, 3822 – Mitteilung des Amtsgerichtes zur Zwangsversteigerung auf den Namen d. Hans Müller in Großen-Buseck über Äcker, Wiesen und die Hofreite Leppermühle aus dem Jahr 1926
- 14GemA Buseck GB 1 Nr. 9041
- 15Gießener Anzeiger vom 21.03.1927 Seite 6
