weitere Namen: unbekannt
Lage/Anschrift: Beuerner Weg 100, 35418 Buseck- Großen-Buseck
Zustand: stillgelegt 1974
Ersterwähnung: (1315) 14101HStAD E 14 G Nr. 25/1 Bl. 339v-340r
Infos: Wassermühle am Krebsbach
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Das genaue Alter der Scheidemühle lässt sich nicht feststellen. Zur frühen Geschichte liegen nur sporadische Überlieferungen vor.
In der Literatur wird für die Scheidemühle ein Ersterwähnungsjahr 1315 genannt. Bei genauer Betrachtung ist eine sichere Zuordnung der Urkunde zur Scheidemühle nicht möglich.
Die erste gesicherte Erwähnung einer Mühle, die mit der uns heute bekannten Scheidemühle identfiziert werden kann, stammt aus dem Jahr 1410.2HStAD E 14 G Nr. 25/1 Bl. 339v-340r In einem Verkauf zwischen den Brüdern Gerhard und Gernand v. Buseck gen. Rüßer werden Abgaben aus einer Mühle in Großen-Buseck erwähnt. Die nächste Erwähnung datiert in die Zeit um 1580-1585. In dieser Zeit gehört die Scheidemühle „Ruessers Erben“ und erträgt jährlich ungeführ 16 Malter Korn 3HStAD G 26A Nr. 485/4 (Bild 0432)..
Bei Rüssers Erben handelt es sich um die Erben von Hartmann v. Buseck gen. Rüsser, der im Oktober 1575 starb. In der Kirchen von Alten-Buseck steht ein Epitaph von ihm. Hartmann hinterließ seine Frau und Tochter Margarethe. Diese war mit Eberhard Magnus v. Rodenhausen verheiratet.
Das Dorfbuch von 1630 nennt einen Johann Adolph von Rodenhausen im Buseckertal als Mühlenbesitzer 4HStAD E 12 Nr. 25/1. Er ist ein Sohn des Eberhard Magnus v. Rodenhausen und der Margarethe v. Buseck gen. Rüßer. Damit dürfte sich die Erwähnung im Dorfbuch auf die Scheidemühle beziehen.
Zu einem Zeitpunkt vor 1660 war die Mühle im Besitz einer Frau v. Buchenau geb. v. Rodenhausen 5HStAD E 12 Nr. 15/14. Ihre Abstammung lässt sich genealogisch derzeit noch nicht auf die Tochter Hartmanns v. Buseck gen. Rüßer zurückführen.
Aus einem Kaufvertrag von 1674 erfahren wir vom wechselhaften Schicksal der Mühle in den letzten Jahren. 6HStAD E 12 Nr. 15/14 Der 1665 verstorbene Müller Georg Hormel d. Ä. hatte die Mühle von Frau v. Buchenau erblich gekauft. Die Familie Hormel war zu dem Zeitpunkt Müller auf der Troher Mühle. Nach Aussage des Vertrages von 1674 war sie nicht lange in dessen Besitz. Georg Hormel d. Ä. tauschte die Scheidemühle bei Großen-Buseck gegen die Struppmühle bei Wieseck mit deren Inhaber Hans Schön. Der ursprünglich in Alten-Buseck beheimatete Hans Schön wird in der Volkszählung der Einwohner des Busecker Tales 1669 unter Großen-Buseck aufgeführt. 7Stumpf S. 191 – „Verzeichnis aller Menschen-Seelen im Bußeckertal vom 8.2.1669„, das Original zählt zu den Kriegsverlusten des Staatsarchivs Darmstadt (war: IV 2 Konv. 65a)
Der Gerichtsschöffe Hans Schön verkauft nun 1674 die Mühle an den Rittmeister Rudolf Eberhard v. Buseck, Vierer und Ganerbe des Busecker Tales. Rudolf Eberhard v. Buseck kauft die Scheidenmühle samt allem Zubehör an Acker, Wiesen, Gärten und den Wasser- und Mühlgraben bis zum Wehr. Dafür zahlt er 400 Gulden an Hans Schön, diese Summe hatte Georg Hormel bereits an Frau v. Buchenau für den Besitz gezahlt. Zusätzlich zahlt er weitere 200 Gulden für Bau- und „moliorations kosten„.

Scheidemühle in den 1980er Jahren
(c) Volker Lindenstruth, Beuern
Aus dem Vertrag erfährt man zudem, dass Hans Schön wegen des Verkaufs von Frau v. Buchenau Probleme mit dem Amtsverweser Johann Tobias Chelius von Umstadt hat. Dieser beansprucht als angeheirateter Schwiegersohn von Buchenauische Güter – zu denen er die Scheidemühle weiterhin zählt. Rudolf Eberhard v. Buseck lässt im Vertrag explizit festhalten, dass diese Probleme weiterhin ein Problem von Hans Schön und nicht ihm – Rudolf Eberhard – sind.
Als Rudolf Eberhard v. Buseck 1679 heiratet, wird u. a. die Scheidemühle zur Witwenversorgung für seine 20 Jahre jüngere Braut Maria Antonia Amalia v. Fechenbach bestimmt.8HStAD Bestand E 12 Nr. 15/9 Sie ist zu diesem Zeitpunkt verlehnt für 34 Achtel Korn, 6 Rthlr, 4 fl für Mast und 6 Hähne.
Bereits im August 1681 verstirbt Rudolf Eberhard v. Buseck. Er hinterlässt eine Tochter, die im März 1681 geborene Johanna Maria Rosina Franzisca v. Buseck. Seine Witwe heiratet im März 1684 erneut – seinen Neffen Philipp Franz Edmund v. Buseck. Dieser Ehe entstammt der spätere Fürstbischof von Fulda Amand v. Buseck. Maria Antonia Amalia v. Buseck geb. v. Fechenbach lebte mit ihrem zweiten Gatten in Eppelborn, fern des Busecker Tales.’Ob sie ihre Witwenversorgung nach der neuen Eheschließung behalten durfte, oder diese an ihre Tochter Johanna Maria Rosina Franzisca v. Buseck überging ist nicht bekannt.
Die Müller der Folgezeit sind uns nur sporadisch überliefert. Sie wechselten häufiger. Immer wieder waren Versteigerungen der Mühle angesetzt.
Bei der Ausscheidung der Mühlenabgaben in der Gemarkung Großen-Buseck im Zeitraum 1826-1827 wird kein Erbleihherr mehr für die Scheidemühle genannt.9HStAD, G 31 B, 47/2 Demnach könnte die Mühle inzwischen im Besitz der jeweiligen Müller gewesen sein.
Im Jahr 1770 war sie noch eine Erbleihmühle. Die Witwe des verstorbenen Scheidemüllers Daniel Lepper, Catharina, ist im Dezember 1770 noch die Summe von 850 Gulden aus dem Kredit von 1762 schuldig, mit dem sie und ihr Mann die Mühle zu Erbbestand gekauft haben.10HStAD C 4 Nr 45/7, S. 152
Mehrere Namen bekannter Müllergeschlechter finden sich auf der Mühle. Neben Hormel und Schön finden sich zu dem Neeb, Lepper und Hochstein.
Ludwig Christian Hochstein (1808-1865)11FB GBu Nr. 2016 kam aus Nidda. Sein Vater war dort Stadtmüller. Er ist der erste Hochstein in Großen-Buseck. Die Familie wechselte mehrfach die Mühle. 1848 war er auf der Fußmühle.
Als die Scheidemühle 1845 zur freiwilligen Versteigerung ansteht, wird sie wie folgt beschrieben:
„Die Mühle liegt 2’Stunden von Gießen, unweit der von Gießen nach Fulda hinführenden Landstraße, mit welcher sie durch einen neu angelegten Vicinalweg in Verbindung steht, und enthält zwei Mahlgänge, mit welchen eine Schlagmühle verbunden ist. Das Gefäll der Mühle beträgt 26′ Hess. Maaßes und die Wasserkraft ist so bedeutend, daß solche selbst bei niedrigsten Wasserstand zum vollständign Geschäftsbtrieb ausreicht.
Die Hofreite besteht aus einem 2stöckigen Wohnhaus mit Mühlbau, einem besonderen Schlagmühlbau, Scheuer, Holzschoppen, hinlänglicher Stallung mit Futterboden. Sämmtliche Gebäude, sowie das Mühlwerk und Feldgut befinden sich im besten Zustande. Das Gut besteht aus 30 Morgen Ackerland, 10 Morgen Wiesen und 2 Morgen theils Buchen- theils Nadelholz-Wald.
Durch ihre äußerst günstige Lage eignet sich die Scheidemühle zu jedem Geschäft, dessen Betrieb Wasserkraft erfordert.“ 12Anzeigeblatt für die Stadt Gießen und die Kreise Gießen, Grünberg und Hungen, No 47 von 1845, S. 392
Mit Christoph Reusch um die Mitte des 19. Jahrhunderts hält sich eine Müllerfamilie erstmals über mehrere Generationen auf der Mühle.
Im Jahr 1909 kommt der Müller Adolf Hillebrecht nach Großen-Buseck und übernimmt die Scheidemühle. 1931 stellt er den Antrieb der Mühle von Wasser auf eine Turbine um.13Amtsverkündigungsblatt vom 08.09.1931 Das Wasserrad ist nur noch Dekoration. Der Mühlenbetrieb wird unter seinem Enkel Adolf Wilhelm Hillebrecht (1941-2019) ungefähr 1974 eingestellt. Die Mühle ist noch heute im Besitz der Familie Hillebrecht.
Quellen:
HStAD = Hessisches Staatsarchiv Darmstadt
Literatur:
Amtsverkündigungsblatt für die Provinzialdirektion Oberhessen und der Kreisämter Gießen, Friedberg, Büdingen, Lauterbach, Schotten und Alsfeld; Gießen 1919 – 1937
Otto Stumpf: Einwohnerlisten des Amtes Gießen vom 15. bis zum 17. Jahrhundert (1470-1669) mit einem Abriß über die Namensgebung; Gießen 1983
- 1HStAD E 14 G Nr. 25/1 Bl. 339v-340r
- 2HStAD E 14 G Nr. 25/1 Bl. 339v-340r
- 3HStAD G 26A Nr. 485/4 (Bild 0432).
- 4HStAD E 12 Nr. 25/1
- 5HStAD E 12 Nr. 15/14
- 6HStAD E 12 Nr. 15/14
- 7Stumpf S. 191 – „Verzeichnis aller Menschen-Seelen im Bußeckertal vom 8.2.1669„, das Original zählt zu den Kriegsverlusten des Staatsarchivs Darmstadt (war: IV 2 Konv. 65a)
- 8HStAD Bestand E 12 Nr. 15/9
- 9HStAD, G 31 B, 47/2
- 10HStAD C 4 Nr 45/7, S. 152
- 11FB GBu Nr. 2016
- 12Anzeigeblatt für die Stadt Gießen und die Kreise Gießen, Grünberg und Hungen, No 47 von 1845, S. 392
- 13Amtsverkündigungsblatt vom 08.09.1931
