(in Bearbeitung)
weitere Namen: Dorfmühle
Lage/Anschrift: war Zeilstraße 6, 35418 Buseck – Großen-Buseck
Zustand: stillgelegt 1980 Lohnschrotmühle, 1987 komplett
Ersterwähnung: 1627 1Urkunde in Privatbesitz
Infos: Wassermühle an der Wieseck
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Das genaue Alter der Kleinmühle lässt sich nicht feststellen. Zur frühen Geschichte liegen nur sporadische Überlieferungen vor. Ist eine Mühle nicht im Privateigentum, sondern als Lehen vergebenn, so liegen meist mehrere Nachrichten vor. Bei Privateigentum (Allodial) sind keine Verträge nötig und somit nicht überliefert.
Die Kleinmühle gehörte in der sog. Münchschen Erbschaft zum Kleinen Hof in Großen-Buseck. Daher wird sie ihren Namen erhalten haben.
Die derzeit bekannte Ersterwähnung der Kleinmühle dürfte sich in einem Verkaufsbrief des Adam Arnt v. Oeynhausen aus dem Jahre 1627 2in Privatbesitz finden. Dort verkauft Adam Arnt v. Oynhausen seinem Schwiegersohn Joh. Philipp v. Buseck gen. Münch „unsern freyen Adelichen ansitz undt behausung im Dorff großen Buseck mit allen darzu gehörigen bäuen, Viehhauß, stallungen, die im garten darzu gehorige Möhle, sampt denn gärten, ackern, wiesen, Trieschen, Holz undt gestreuche, vor undt umb großen Buseck undt in derselben Feldmark gelegen, mit allen ihren an, ein- und zugehörungen, besucht und unbesucht nichts darvon außgeschloßen, oder abgesen ...“

Kleinmühle
(c) Heimatkundlicher Arbeitskreis Buseck e. V.
Bei diesem adeligen Ansitz handelte es sich um das Areal, dass in Großen-Buseck unter der Bezeichnung Todts-Gärten – nach einem späteren Pächter – bekannt ist. Es lag im Süden der Wieseckschleife, wohl bis zur Wilhelmstraße. Da die heutige Kleinmühle im Osten der Zeilstraße steht, wird sich das Anwesen, – nach der Beschreibung im Verkaufsbrief – der Garten, über die Zeilstraße hinweg erstreckt haben.
In diesem Verkaufsbrief wird eine weitere Großen-Busecker Mühle, die Weißmühle, erwähnt.
Hier wird explizit darauf hingewiesen, dass Adam Arnt v. Oynhausen die Weißmühle weiterhin in seinem Eigentum behält. Wann und wie Adam Arnt v. Oynhausen in den Besitz der Kleinmühle kam, ist nicht bekannt.
Der nächste Hinweis ist ein Eintrag im Dorfbuch von 1630 auf die Kleinmühle hin. 3HStAD E 12 Nr. 371/14 Darin werden die Eigentümer der damals bestehenden elf Mühlen im Busecker Tal genannt, darunter ‚drei Hr. Hans Philipp v. Buseck gen. Münch‘. 4 Bei den anderen beiden Mühlen handelt es sich um die Fußmühle in Großen-Buseck und die Neumühle in der Gemarkung Beuern.
Bei diesen drei Mühlen im Besitz des Hans Philipp v. Buseck gen. Münch müsste es sich, nach der uns heute bekannten Besitzgeschichte der Mühlen, um die Neumühle die Fußmühle und die Kleinmühle handeln.
Ansonsten ist es um die Kleinmühle recht still. Sie war im Privatbesitz der Familie v. Buseck gen. Münch und taucht nach 1750 unter ihren Besitztümern in der sog. „Münchischen Erbschaft“ auf.
Hierbei handelt es sich um eine langwierige Erbteilung nach dem Tod des letzten männlichen v. Buseck gen. Münch. Der Geheime Rat Friedrich Ludwig v. Buseck gen. Münch war im Dezember 1750 in Winnerod verstorben ohne Kinder zu hinterlassen. Laut Testament fielen seine Besitzungen an die Kinder seiner – ebenfalls bereits verstorbenen – Schwestern. Da es zwei Generationen zuvor schon mal so aussah als ob die Familie im Mannesstamm aussterben könnte gab es in einem Heiratsvertrag den Passus, dass die Kinder der Braut (eine geb. v. Buseck gen. Münch) im Falle des Aussterbens im Mannesstamm erbberechtigt sind. Dieser Passus kam nun – nach langen Streitereien – zum tragen. Aus den Auflistungen aller Besitzungern um den Wert der Erbschaft festzustellen sind uns die zahlreichen Besitzungen Friedrich Ludwig v. Buseck gen. Münch bekannt.
Die Kleinmühle fiel laut Teilungsvereinbarung 5HStAM 340 Schenck zu Schweinsberg: Niederofleiden Nr. 119 an den Milchlingischen Stamm, der auch den Troher Hof in Großen-Buseck erbte. Ihr Wert um 1760 betrug 996 Gulden 26 Albus und 2 Pfennige. Ihr Müller leistete zu dieser Zeit jährlich Abgaben von 10 (12) Achtel Korn und Geldabgaben von 39 Gulden 6 Albus und 7 Pfennige.
Der erste uns bekannte Müller auf der Kleinmühle war wohl Niclas Kümmel. Zumindest ist im Kirchenbuch Großen-Buseck beim Sterbeeintrag seiner Frau im Jahre 1724 der Zusatz „aus der Kleinmühle“ vermerkt. 6FB GBu Nr. 603 Dies ist zugleich die erste Erwähnung der Mühle mit dem Namen Kleinmühle. Von wann bis wann Niclas Kümmel Müller der Kleinmühle war ist nicht bekannt. 7Im Regest zu HStAD E 12 Nr. 51/12 in Arcinsys „Sendungen des Jost Michel Ott, des Müllers Niklas Kümmel und des Schneiders Johann Philipp Friedrich, alle aus Großen-Buseck, nach Wien in der Streitsache mit Hessen-Darmstadt“ wird Niklas Kümmel mit der Datierung 1715 als Müller – ohne Mühlenangabe – für Großen-Buseck genannt. In der Akte selber taucht keine Berufsbezeichnung für ihn auf. Zudem ist er in der Akte lediglich Zeuge.
Quellen:
HStAD = Hessisches Staatsarchiv Darmstadt
HStAM = Hessisches Staatsarchiv Marburg
Literatur:
Wilhelm Arnold V.: Die Mühlen im Busecker Tal; Heimat im Bild 1930 Nr. 11
Hanno Müller: Großen-Busecker Familienbuch, Fernwald-Steinbach 1993 = FB GBu
Johann Gottfried Biedermann: Geschlechtsregister der Reichsfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Rhön und Werra : welches aus denen bewährtesten Urkunden … in gegenwärtige Ordnung verfasset u. zugetragen worden, 1749
- 1Urkunde in Privatbesitz
- 2in Privatbesitz
- 3HStAD E 12 Nr. 371/14
- 4
- 5HStAM 340 Schenck zu Schweinsberg: Niederofleiden Nr. 119
- 6FB GBu Nr. 603
- 7Im Regest zu HStAD E 12 Nr. 51/12 in Arcinsys „Sendungen des Jost Michel Ott, des Müllers Niklas Kümmel und des Schneiders Johann Philipp Friedrich, alle aus Großen-Buseck, nach Wien in der Streitsache mit Hessen-Darmstadt“ wird Niklas Kümmel mit der Datierung 1715 als Müller – ohne Mühlenangabe – für Großen-Buseck genannt. In der Akte selber taucht keine Berufsbezeichnung für ihn auf. Zudem ist er in der Akte lediglich Zeuge.
