
(c) Heimatkundlicher Arbeitskreis Buseck e. V.
Kurzinfo
Das Haus wurde ca. 1794 1Feuerversichert wurde das Haus im Januar 1795; GemA Buseck GB 1 Nr 9008 als Wohnhaus des Amtsverwesers Follenius erbaut. Es handelte sich um ein Wohnhaus mit Scheune unter einem Dach. Das zurückgesetzte Haus mit der Dachfront zur Straße fällt auf. Die Nachbarhäuser stehen zumeist mit der Giebelseite zur Straße.
Follenius war bei den Ganerben des Busecker Tales als Amtsverweser – Stellvertreter der Ganerben des Busecker Tales – eingestellt. Sein Arbeitsplatz war das Thal’sche Rathaus. Nach ihm bewohnten die Familien des Lehrers Rumpf und des Gerichtsschreibers und Steuereinnehmer Hedderich das Haus. Alles Honorationen des Dorfes.
Im Jahr 1844 kaufte es die israelitische Gemeinde und baute den Scheuenteil zur Synagoge um. Als solche wurde es bis zu den Novemberpogrome 1938 genutzt.
Später war es Mietshaus für Heimatvertriebene.
Hier folgen ausführlichere Infos und Links zur Geschichte des Gebäudes.
Friedrich Ludwig Follenius war Amtsverweser und Fürstlich Bischöflicher Hofrat. 2FB GBu Nr. 283 Der Amtsverweser war der Stellvertreter der Ganerben des Busecker Tales, in deren Namen er die Verwaltung des Tales leitete und als oberster Richter im Gericht Busecker Tal Recht sprach. Sein Arbeitsplatz war das Thal’sche Rathaus, das Amts- und Gerichtsgebäude des Tales, wo ihm auch Wohnräume zur Verfügung standen. Nach seiner Heirat mit 1790 errichtete er sich ein eigenes Wohnhaus in der Nähe zu seinem Arbeitsplatz. Das dort vorher gestandene Haus von Philipp Bonarius war abgebrannt. Auch Folleniius erbaute, wie damals üblich, ein Wohnhaus mit Scheune unter einem Dach. Die Scheune war im größeren Hausbereich, rechts der Treppe. Die linke Hausseite neben dem Eingang war das Wohnhaus. Der besonderen Stellung des Bauherrn als örtliche Honoration mag die abweichende Stellung des Hauses, zurückgesetzt und mit der Dachfront zur Straße, geschuldet sein. Die Familie hat hier bis zum Wegzug nach Romrod im Jahr 1811 gewohnt.
Das Haus wurde an den Praeceptor3Lehrer Rumpf (1762-1850) 4FB GBu Nr. 937 verkauft.5GemA Buseck GB 1 Nr 9008 Er war Lehrer im Anger 4, wo er zuvor mit seinen zahlreichen Kindern lebte. Rumpf starb hochbetagt in Großen-Buseck. Sein Haus hatte jedoch bereits 1834 der ganerbschaftliche Amts Actuarius6Gerichtsschreiber und Steuereinnehmer Gottfried Hedderich7FB GBu Nr. 463 übernommen.8GemA Buseck GB 1 Nr 9008
Im Jahr 1844 9GemA Buseck GB 1 Nr 9008 wurde es an „die Judenschaft“ verkauft. Die Synagoge in der Kaiserstraße war baufällig. Im Haus Anger 10 verwandelten sie den Scheunenteil in ihre neue Synagoge. Diese wurde am 10. November 193810HStAD H 13 Giessen Nr. 485/1-13 von Großen-Busecker Mitbürgern zerstört.
Nach dem II. Weltkrieg wurden Wohnhaus und Synagoge zu Wohnungen für die zahlreich von der Gemeinde unterzubringenden Heimatvertriebenen umgebaut. Später wurden diese Wohnungen von der Gemeinde als Sozialwohnungen genutzt.
Dieser Beitrag ist Teil des Flyers „Historisches Großen-Buseck“.
Quellen:
HStAD = Hessisches Staatsarchiv Darmstadt
GemA Buseck = Gemeindearchiv Buseck
Literatur:
Hanno Müller: Großen-Busecker Familienbuch, Fernwald-Steinbach 1993
- 1Feuerversichert wurde das Haus im Januar 1795; GemA Buseck GB 1 Nr 9008
- 2FB GBu Nr. 283
- 3Lehrer
- 4FB GBu Nr. 937
- 5GemA Buseck GB 1 Nr 9008
- 6Gerichtsschreiber
- 7FB GBu Nr. 463
- 8GemA Buseck GB 1 Nr 9008
- 9GemA Buseck GB 1 Nr 9008
- 10HStAD H 13 Giessen Nr. 485/1-13
