Der Marstall, auch Rathausstall genannt, stand auf dem Anger direkt vor dem Kirchhof. Er wurde um 1870 abgebrochen. Laut Brandkataster bildet er als „Stall mit Holzschuppen unter einem Dach“ eine Einheit mit dem Thal’schen Rathaus. Die Bezeichnung Marstall
deutet bereits darauf hin, dass das Gebäude ursprünglich der Unterbringung der Pferde der Ganerben diente, wenn diese zum Gericht oder den Familienkonferenzen nach Großen-Buseck kamen.
Beim großen Streit um den Anbau am Thal’schen Rathaus 1787 wird uns folgendes zum Marstall mitgeteilt: „etwa 302 Schritt (ca. 22 m) vom Rathauß, an dem Kirch-Hof, ist der so genannte Mahrstall gelegen, zwischen dem und der Kirchhof Mauer ein 4 Fuß breiter Gang oder Gäßgen sich befindet. Der Mahrstall ist ein über 703 Fuß langer Zweystöckiger bau (ebenfalls ca. 22 m), worinnen viele Stallungen, im 2ten Stock auf der einen Seite aber eine Stube mit Cammer angelegt ist.“ Die Familie Strack hatte eine kleine Wohnung in den Marstall eingebaut und vermietete diese laut Zeugenaussagen 1787.1HStAD G 26 A Nr. 496/3
Das in späteren Quellen nur noch als Ratstall bezeichnete Gebäude wird meist als baufällig beschrieben. Viel Aufwand scheint man nicht investiert zu haben. Das mächtige Gebäude war den Pfarrern ein Dorn im Auge. Entgegen der Lage im Ortsplan soll das Gebäude dem Pfarrer recht viel Licht in seiner Wohnung genommen haben, weil es so dicht am Pfarrhaus stand. Dem Wunsch von Pfarrer Ohly 1845 nach einem Abriss wurde nicht stattgegeben, da die Gemeinde gerade vor dem Problem stand für ihre Lehrer Oekonomiegebäude zu benötigen. Hier bot sich der Ratstall an. Es war auch die Überlegung, die für die Schule im Thal’schen Rathaus fehlenden Toiletten für die Kinder dort unterzubringen. Im Jahr 1872 kam es dann doch zum Abbruch des Ratstalles.2Jung, Chronik S. 11
Quellen:
HStAD = Hessisches Staatsarchiv Darmstadt
Literatur:
Ludwig Jung: Heimatbuch der Gemeinde Großen-Buseck, Gießen 1951
Elke Noppes (Hrsg.), Thal’sches Rathaus. Geschichte und Geschichten, Buseck 2015 – Schriftenreihe des Heimatkundlichen Arbeitskreises Buseck e. V. Heft 17
- 1HStAD G 26 A Nr. 496/3
- 2Jung, Chronik S. 11
