Verkauf des kleinen Burghofes

  • Auch Todts Gärten genannt

Im Jahr 1771 verkauften die von Freudenbergischen Erben den kleinen Burghof in Großen-Buseck, der ihnen als Nachfahren des Geismarischen Stammes – aus der sogenannten Münchschen Erbschaft zugefallen war.

Einer Akte kann man entnehmen, dass dieser Verkauf nötig geworden war, weil die Erben zahlreiche Schulden angehäuft hatten. ‚Es sei bekannt, dass die v. Freudenberg und ihre Erben das kleine Hofgut zu Großen-Buseck samt einigen Gefällen vor ungefähr einem Jahr zur Bezahlung von Passiv-Schulden an den Meistbietenden versteigern ließen.‘


Todtsgaerten-Parzellen Karte Großen-Buseck, um 1860

Todts Gärten – Parzellenkarte Großen-Buseck, um 1850
(c) Repro Volker Lindenstruth, Beuern

Diese Passiv-Schulden werden wie folgt angeführt:
2.200 fl so der Waldeckische Maior H. v. Freudenberg mir schuldig,
– 1.000 fl so der Anspachische Lieutnant der H. v. Freudenberg ebenfalls mir schuldig
– 300 fl so der Oberschenk H. v. Freudenberg deem H. Dr. Nebel schuldig
– 757 fl 16 alb so die Frl. v. Bischhoffhausen dem H. OberJägermeister v. Geismar schuldig
1HStAD G 26 A Nr. 493/50
Es gab noch weitere Schulden, die nicht als Hypothek eingetragen waren:
Das Ruppische Capital à 2.400 fl nebst 1042 fl 10 xr an Interessen2Aussage KI: Historisch konnte dies den Schadenersatz bezeichnen, der anfällt, wenn eine Schuld nicht rechtzeitig beglichen wurde. Zinsen sind die Kosten für geliehenes Kapital (Schulden), aber Schulden selbst sind keine „Interessen“.
Dasjenige, so Hr. Carl v. Freudenberg schuldig ist: An Maria Paack zu Rotterdam – 768 fl; An den hießigen Bürger und Hauptmann Magnus – 300 fl Capital nebst Zinsen und Kosten; Des Major Hr. Ernst v. Freudenberg zu Cassel Capital-Schuld bei mir selbsten à – 500 fl und bei Hr. General v. Rotberg – 178 fl3HStAD G 26 A Nr. 493/50
So vermerkt es Wilhelm Conrad Schmalkalden in einer Bitte an den Landesherren den Kaufvertrag zu genehmigen, die am Rande vermerkt das Datum Gießen 12. Dezember 1771 trägt. Mit dem Verkauf sollen die Schulden abbezahlt werden.

Der Text des Kaufvertrages ist überliefert:
Wir Endes Unterschriebene Weyl. Des gewesenen Hoch-Fürstlich Heßischen  General Major und Commandanten der Vestung Gießen Johann Adolph Gottlieb von Freudenbergs nachgelaßenen sämmtliche Kinder und Erben Thun kund und bekennen hiermit vor uns und unseren Erben, daß wir nachbemeldeten Personen zu Großen Buseck als
1. Dem Gerichts-Schöffen und Ausschuß-Fähndrich Hr. Christoph Wagner4FB Gbu Nr. 1299,
2. Conrad Wagner sen.5FB Gbu Nr. 1302
3. Johann Henrich Schmitt6FB Gbu Nr. 1056, und Ludwig Hahn
4. Johann Hennrich Wagner
5. Johann Baltzer Stephan7FB Gbu Nr. 1177
6. Johannes Arnold Junior8FB Gbu Nr. 11
7. Johannes Stephan9FB Gbu Nr. 1178
8. Georg Wilhelm Schmitt10FB Gbu Nr. 1057
9. Johann Henrich Rabenau11FB Gbu Nr. 888
10. Caspar Keßler12FB Gbu Nr. 562, Scheidemöller und Thielmann Ganß13FB Gbu Nr. 312
11. Hr. Amtsverweser Strack14FB Gbu Nr. 1207
12. Christoph Fritz15FB Gbu Nr. 301
13. Johann Henrich Hofmann16FB Gbu Nr. 523
14. Henrich Adam Henß17FB Gbu Nr. 470
15. Christoph Stephan18FB Gbu Nr. 1179
16. Tobias Wagner19FB Gbu Nr. 1300 und Johannes Todt20FB Gbu Nr. 1228
17. Johann Philipps Harbach21FB Gbu Nr. 432
18. Wilhelm Müller und Magnus Schwalb22FB Gbu Nr. 1123
19. Johannes Arnhold sen.23FB Gbu Nr. 10
20. Johann Philipps Otto24FB Gbu Nr. 828
21. Johann Jost Samm25FB Gbu Nr. 959
22. Johann Henrich Stephan26FB Gbu Nr. 1176
23. Wilhelm Wagner geschworener Schütz, so dann
24. Magnus Schwalb sen.27FB Gbu Nr. 1122
und ihren Erben in dem auf unser Verlangen bey dem Gan-Erbschafftlichen Amt zu Großen Buseck am 4ten February, anni currentis anberaumt gewesenen Versteigerungs-Termino das von Weyland dem Fürstlich Fuldischen Geheimden Rath Friederich Ludwig von Buseck genannt Münch zu Winnerod, besage derer bey Hoch Fürstlicher Regierung zu Gießen befindlichen Theilungs-Acten, auf uns vererbte frey adeliche so genannte Kleine Hofguth zu Großen Buseck, bestehend in 85 ¾ Morgen, 9 Ruthen, 72 Nägel Ackerland, so dann 33 ¼ Morgen, 36 Ruthen, 11 Nägel Wieswachs, benebst der Hofreith mit Haus, Hof, Scheuern, Stallungen und Garten, auch allem darzu gehörigen Rechtes und Gerechtsamen, wie solches alles nicht nur unser Erblaßer, sondern auch wir selbsten bisher ruhig Beseßen und Benutzet haben, vor und um
Zehen Tausend Fünff Hundert Neuntzig Fünff Gulden28dem standen Schulden im Wert von ca. 9.500 fl gegenüber,
Frankfurther Wehrung, erblich, eigenthümlich, und unwiederruflich verkaufft und zu Kauf gegeben haben …
29HStAD G 26 A Nr. 493/50

Quellen:
HStAD = Hessisches Staatsarchiv Darmstadt

Literatur:


  • 1
    HStAD G 26 A Nr. 493/50
  • 2
    Aussage KI: Historisch konnte dies den Schadenersatz bezeichnen, der anfällt, wenn eine Schuld nicht rechtzeitig beglichen wurde. Zinsen sind die Kosten für geliehenes Kapital (Schulden), aber Schulden selbst sind keine „Interessen“.
  • 3
    HStAD G 26 A Nr. 493/50
  • 4
    FB Gbu Nr. 1299
  • 5
    FB Gbu Nr. 1302
  • 6
    FB Gbu Nr. 1056
  • 7
    FB Gbu Nr. 1177
  • 8
    FB Gbu Nr. 11
  • 9
    FB Gbu Nr. 1178
  • 10
    FB Gbu Nr. 1057
  • 11
    FB Gbu Nr. 888
  • 12
    FB Gbu Nr. 562, Scheidemöller
  • 13
    FB Gbu Nr. 312
  • 14
    FB Gbu Nr. 1207
  • 15
    FB Gbu Nr. 301
  • 16
    FB Gbu Nr. 523
  • 17
    FB Gbu Nr. 470
  • 18
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    FB Gbu Nr. 1300
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    dem standen Schulden im Wert von ca. 9.500 fl gegenüber
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