Das Gelände an der Westseite des Angers bildete ehemals das Areal des Troher Hofes, der nach der Familie v. Trohe benannt war. Um 1770 Jahr kaufte die Gemeinde Großen-Buseck das Gelände, ein Teil der sog. Münchschen Erbschaft, und es entstanden bäuerliche Wohnhäuser.
Wahrscheinlich entstand hier bereits vor dem Jahr 1200 ein adliger Burghof mit Wassergraben in der Sichtachse zur Kirche.
Der Troher Hof war Allodialbesitz, so gibt es keine Lehnsbriefe die uns über seine Besitzerwechsel informieren.
Man geht davon aus, dass der Burghof von den Grafen v. Peilstein aus Österreich angefangen wurde zu bauen um sich in Großen-Buseck einen Wohnsitz zu errichten. Die Grafen v. Peilstein starben im Jahr 1218 im Mannesstamm aus.

Troherhofsgärten – Parzellenkarte Großen-Buseck, um 1850
Der Hof, oder die Bauruine, dürfte von Mitgliedern der Familie v. Trohe übernommen worden sein. Der Flurname „Troherhofsgärten“ dürfte noch manch Älteren bekannt sein.
Der Troher Hof blieb, bis nach dem Aussterben der Familie v. Trohe im Mannesstamm im Jahr 1641, im Besitz der v. Trohe. Mit der Heirat der Anna Elisabeth v. Trohe, Tochter des letzten männlichen v. Trohe Philipp Heinrich v. Trohe, kam der Hof in den Besitz ihres Ehemannes Crafft Adam v. Buseck gen. Münch (+ 1696). Die Ehe der beiden blieb Kinderlos. Der Troher Hof kam als Erbe an die Neffen des Crafft Adam v. Buseck gen. Münch und verblieb bis zum Aussterben der v. Buseck gen. Münch im Mannesstamm, im Jahr 1750, in Familienbesitz. Die sog. Münchsche Erbschaft, das Erbe des letzten männlichen Vertreters der Familie v. Buseck gen. Münch Friedrich Ludwig v. Buseck gen. Münch, bei dem sich das gesammelte Vermögen der Familie v. Buseck gen. Münch angehäuft hatte, zieht langwierige Erbschaftsstreitigkeiten nach sich. Diese Streitigkeiten ziehen sich viele Jahre hin. Der Troher Hof wird per Teilzettel dem „Stamm Milchling“ zugeteilt.
Bereits 1768 wird ein Teil des Hofes zur Versteigerung angeboten: „Einen vierten Theil an deme von Münchischen Frey adel. Erbguth am Troher Hof zu Grosen Buseck nebst denen ihme abgetheilten Waldungen als 8. Morgen 42 Ruthen 6. Schuh vom halben Eichwald“1Philipp Wilhelm Milchling zu Lembach :zur Versteigerung ausgeschrieben, Giessische wöchentliche gemeinnützige Anzeigen und Nachrichten 1768
In einer Versteigerungsanzeige 1770 wird der Hof wie folgt beschrieben:
„Der sogenante Troherhof zu Großebuseck bestehend a) aus einem mit einem Wassergraben umgebenen Wohnhaus nebst Nebenbau Lust und Obstgärten, b) besonderen Hofhaus nebst räumlichen Scheuren und Ställen etc. Worzu weiter gehöret c) doppelt Loosholz, Bau und Flickholtz aus den gemeinen Waldungen, doppelt Mast und gemeines Almeien. d) eine besondere freye Schäferey mit den 2 andern Münchischen Höfen auf 80. bis 100. Stück e) an Ackerland 77. Morgen 3 Viertel 23 Ruth. Wiesen 25 Morgen 1 V. Garten auser dem bey dem Hof 1 Morgen 2 V. 23 Ruth. Eichwald 26 Morgen 2 V. 27 Ruth. jeder Morgen zu 160 Ruthen 1, jede Ruthe zu 18. Schuh.„2Giessische wöchentliche gemeinnützige Anzeigen und Nachrichten, Zwanzigstes Stück, Dienstags den 15ten May 1770
Die Gemeinde Großen-Buseck kauft das Areal. Es wird parzelliert und an Großen-Busecker Bürger weiterverkauft. In der Folge wird die Westseite des Angers mit Wohnhäusern bebaut.
Quellen:
HStAD = Hessisches Staatsarchiv Darmstadt
HStAM = Hessisches Staatsarchiv Marburg
UniA GI = Universitätsarchiv Gießen
Literatur:
Albrecht Eckhardt: Klosterarchive : Regesten und Urkunden Teil: 8 : Die oberhessischen Klöster; Dritter Band 2. Hälfte Texte und Indizes; Marburg 1988
Giessische wöchentliche gemeinnützige Anzeigen und Nachrichten
- 1Philipp Wilhelm Milchling zu Lembach :zur Versteigerung ausgeschrieben, Giessische wöchentliche gemeinnützige Anzeigen und Nachrichten 1768
- 2Giessische wöchentliche gemeinnützige Anzeigen und Nachrichten, Zwanzigstes Stück, Dienstags den 15ten May 1770
