Speilbergmühle

weitere Namen: Fußmühle
Lage/Anschrift: 35418 Buseck- Großen-Buseck
Zustand: abgerissen
Ersterwähnung: ca. 1580 1HStAD G 26 A Nr. 485/4
Infos: Wassermühle an der Wieseck

Frühe Mühlenerwähnungen

Die Zuordnung früher Erwähnungen von Mühlen stellt einen oftmals vor Probleme. Lassen sich Erwähnungen kontinuierlich über einen längeren Zeitraum, anhand gleichbleibender Merkmale verfolgen, gelingt es irgendwann die frühe Erwähnung einer auch später bekannten Mühle zuzuordnen. Hierfür braucht man manchmal viel Geduld.

Im Staatsarchiv Darmstadt findet sich eine Akte mit dem Titel: „Unterthanen des Buseckerthals contra Vierer und Gahnerben daselbst“, entstanden in den Jahren 1610-1612.2HStAD G 26 A Nr. 485/4
Unter dem nicht sehr aussagekräftigen Titel finden sich zahlreiche Zusammenstellungen von Akten und Auflistungen von Abgaben.

Eine solche undatierte Auflistung liegt uns für Großen-Buseck vor, mit einer Nennung aller von den genannten Personen zu leistenden Abgaben. Aufgrund der genannten Personen ist eine Datierung um 1580 wahrscheinlich. Die Liste endet mit der Angabe von vier Mühlen in Großen-Buseck.3HStAD G 26 A Nr. 485/4

Ausschnitt aus: HStAD G 26 A Nr. 485/4
Ausschnitt aus: HStAD G 26 A Nr. 485/4

Die Mühlenangaben lauten, in modernem Deutsch, wie folgt:
– Rüssers Erben erhalten aus der Scheidemühle jährlich ungefähr 16 Malter Korn.
– Aus der Speilbergsmühle erhält die Gemeinde Großen-Buseck 5 Gulden, 1 Gans, 1 Hahn und 1 Huhn.
– In die Universität (werden aus) der Schliebergsmühle 8 Achtel Korn, 2 Gulden Geld und 1 Huhn (gezahlt).
Georg Milchlings Mühle, genannt Rübthieln Mühle it (item = ebenfalls) univ…4soll wohl heißen, diese Mühle zahlt ebenfalls in die Universität.

Die Akte liegt uns seit 2011 in Kopie vor. Die Zuordnung der genannten Mühlen war nicht immer einfach.
Zwei der vier Mühlen ließen sich problemlos einer uns heute bekannten Mühlen zuordnen:
– Rüssers Erben mit der Scheidemühle. – Die Mühle trug damals bereits ihren heute noch bekannten Namen.
– Universität mit der Schliebergsmühle. – Der Begriff der Schlittbergsmühle ist uns aus verschiedenen Quellen für die Spitzmühle überliefert.

Eine dritte Mühle benötigte einige Zeit:
– Georg Milchlings Mühle, genannt Rübthieln Mühle – Beide Namen sind im Laufe der Zeit komplett verschwunden. In der Rechnungslegung der Universität Gießen hat sich der Name in frühen Rechnungen erhalten und konnte durch die immer wiederkehrende Zahlung bis zur Nennung der uns bekannten Weißmühle verfolgt werden.

Was blieb ist die Nennung einer Speilbergsmühle welche Abgaben an die Gemeinde Großen-Buseck zahlt. Es bedurfte 14 Jahre, bis es nach Klaus Lage hieß „und es hat Zoom gemacht“5Hit der Klaus Lage Band „1000 und 1 Nacht (Zoom!)“ von 1984..
Beim Zusammenstellen dieses Beitrages war die Identifizierung noch ein Rätsel. Theoretisch standen zwei Mühlen zur Auswahl: die Kleinmühle und die Fußmühle. Die Leppermühle dürfte (wie die Belzer Mühle) eine späte Gründung sein.
Bisher hatten sich die Eigentümer der Mühlen immer als hilfreich erwiesen. In diesem Fall wäre das die Gemeinde Großen-Buseck. Quellen aus der Zeit um 1580, oder auch später sind rar. Die Kirchenrechnungen von Großen-Buseck nannten uns zwar gelegentlich Müller, doch nicht die Eigentümer ihrer Mühlen. Die Rechnungslegung der Gemeinde Großen-Buseck ist uns im Gemeindarchiv Buseck erst aus dem Ende des 17. Jahrhunderts erhalten. Doch es gibt im Staatsarchiv Darmstadt eine Ausnahme. Die Rechnung des Jahres 16116HStAD G 26 A Nr. 493/2 ist dort in einer Prozessakte erhalten geblieben. Eine letzte Kontrolle, bevor hier geschrieben wird dass die Mühle unbekannt bleiben muss.
Gesucht wurde nach der Höhe der Geldabgabe – 5 Gulden – da eine frühere, flüchtige Durchsicht keinen Hinweis auf eine Mühle ergeben hatte.
Und da war der Eintrag:

5 fl (Gulden) Ingenommen von Georg Hülffen mihln7mihln = Mühle Zinß – Ausschnitt aus: HStAD G 26 A Nr. 493/2

Georg Hülf/Hilf ist kein Unbekannter wenn man sich mit der Geschichte der Mühlen in Buseck beschäftigt. Ab 1608 leistet Jorge der Fußmüller eine Zinsabgabe wegen geliehenem Geld an die Kirche in Großen-Buseck.8KA GBu KR 1608, 1612-1615 Die Abgabe für das geliehene Geld läuft noch länger. Nach 1625 trägt Georg Hülf/Hilf9ohne Berufszusatz. Geörg Helfen Fr. Elisabeth in Stumpfs L 1629 erwähnt. nicht mehr den Zusatz „Fußmüller“.
Hier ist die gesuchte Kontinuität der Abgabe. Aus Jorge der Fußmüller wird Georg Hülf/Hilf/Helfen. Und dieser Name verbindet sich in der Gemeinderechnung von 1611 mit der Abgabe eines Mühlenzinses an die Gemeinde Großen-Buseck.

Unsere Suche nach der Speilbergmühle in Großen-Buseck ist zu Ende. Diese Mühle war uns als Fußmühle über lange Zeit bekannt. Noch heute erinnert der Straßenname „Zur Fußmühle“ an ihre ehemalige Lage.


Quellen:
HStAD = Hessisches Staatsarchiv Darmstadt
UniA Gießen = Universitätsarchiv Gießen
KA Großen-Buseck = Kirchenarchiv Großen-Buseck.

Literatur:
Otto Stumpf: Einwohnerlisten des Amtes Giessen vom 15. bis zum 17. Jahrhundert (1470-1669) mit einem Abriss ueber die Namengebung; Gießen 1983

Abkürzung:
KR = Kirchen- oder Kastenrechnung


  • 1
    HStAD G 26 A Nr. 485/4
  • 2
    HStAD G 26 A Nr. 485/4
  • 3
    HStAD G 26 A Nr. 485/4
  • 4
    soll wohl heißen, diese Mühle zahlt ebenfalls in die Universität.
  • 5
    Hit der Klaus Lage Band „1000 und 1 Nacht (Zoom!)“ von 1984.
  • 6
    HStAD G 26 A Nr. 493/2
  • 7
    mihln = Mühle
  • 8
    KA GBu KR 1608, 1612-1615
  • 9
    ohne Berufszusatz. Geörg Helfen Fr. Elisabeth in Stumpfs L 1629 erwähnt.
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