Wirberger Mühlen

Zu den Mühlen des Klosters Wirberg

In den Originalquellen finden sich bisher zwei Mühlen im Besitz des Klosters Wirberg. Diese kamen nach der Reformation zuerst an die Universität Marburg, später an die Universität Gießen. Es handelt sich um ein in der Rechnungslegung der Universität Gießen erwähntes molln gutt in Reiskirchen – der Helgenmühle – und um eine Mühle in Großen-Buseck gen. Rübsamen Mühle. Hierbei handelt es sich um die heutige Weißmühle.

Aus dem Ende des 16. Jahrhunderts gibt es einen Brief des Rektors der Universität Marburg der von drei Mühlen des Klosters Wirberg im Busecker Tal spricht1HStAD E 10 Nr. 2066; Blattstempel 12.
In diesem um 1588 entstandenen Schreiben dieser Akte nennt der Rektor der Marburger Universität die Müller dieser drei Mühlen. Es handelt sich um
Balzer Becker2Balzer Becker taucht um 1580 als Müller der Dorfmühle in Beuern auf – diese stammt jedoch aus Arnsburger Besitz – UniA GI Allg. Nr. 581
Matthes Molnarzt zu Beuern3ein Heinrich Molenarzt taucht um 1580 als Müller der Neumühle bei Beuern auf – UniA GI Allg. Nr. 581
Peter Müller4ein Peter Moller (von Lohr) taucht um 1580 als Müller der Schlittenbergsmühle auf – diese stammt jedoch aus Arnsburger Besitz – UniA GI Allg. Nr. 582
alle drei haben die (ungenannten) Mühlen zur Landsiedelleihe. 5HStAD E 10 Nr. 2066; Blattstempel 12

Diese Akte ist der einzige Hinweis auf drei Mühlen der Wirberger.
In dieser Akte von 1594 wegen eines Streites um die Spitzmühle6HStAD E 10 Nr. 2066 geht es im Grunde generell um die Zuständigkeit der Ganerben des Buseckertales in der Rechtssprechung und besonders um die Erhebung von Beden, Zinsen und Strafen auf alle Universitätsgüter im Tal. Die Herkunft der Mühlen wird mal mit dem Kloster Wirberg angegeben, mal wird einfach nur von den Universitätsmühlen gesprochen.
Wußte der Rektor nicht mehr ob die Mühlen vom Kloster Wirberg alleine, oder auch von dem Kloster Arnsburg und damit später von dem Antoniterkloster Grünberg kamen? Beide Klöster werden in dem Schreiben des Rektors nicht genannt. Wirberg könnte hier als Synonym für Klostermühlen stehen.
Dem steht wiederum die Tatsache entgegen, dass zu diesem Zeitpunkt in den Rechnungslegungen der Universität(en)7Heute im Universitätsarchiv Gießen. andere und weitere Mühlen auftauchen. Ob der Rektur der Universität Marburg diese als Quelle für seine Schreiben heranzog ist jedoch nicht gewiß.
Wie oben erwähnt gehörte die Helgenmühle in Reiskirchen einst dem Kloster Wirberg, genauso wie die Weißmühle in Großen-Buseck.
Das Schreiben des Rektor der Marburger Universität verweist auf die Dorfmühle in Beuern, die aus Arnsburger Besitz, nicht Wirberger kommt. Zudem führt er den Müller der Spitzmühle an, die ebenfalls zuvor Arnsburger Besitz war.
Die Nennung des Müllers Matthes Molenarzt für Beuern ist etwas diffiziel. Die Universitätsrechnungen nennen uns zu der Zeit einen Heinrich Molenarzt – der auf einem Stückchen Land, auf ehemals Arnsburger Besitz – eine Mühle erbaut hat. Hier ist nur der Grund und Boden Arnsburg gewesen, nicht die Mühle. Mühle und Land befinden sich später im Besitz der Familie v. Buseck gen. Münch – was stark auf die Neumühle in Beuern hindeutet.

Eckhardt8Eckhardt, S. 336 führt alle Ortschaften auf, auf die sich bei einer Inventarisierung im Jahr 1527 Urkunden im Kloster Wirberg berufen. Dazu gehört Buseck (sicher Großen-Buseck) und Reiskirchen – nicht aber Beuern. Dies passt zu den lokalisierten Mühlen Weißmühle und Helgenmühle. Ebenfalls würde sich bestätigen, dass die Nennung von Matthes Molenarzt durch den Rektor nicht korrekt ist.

Wir haben somit Originalquellen, deren Aussagen voneinander abweichen.

Auf diese Akte9HStAD E 10 Nr. 2066 bezieht sich das Staatsarchiv Darmstadt in seinem Schreiben an Wilhelm Arnold V.10Schreiben 1927 und stellt fest: „Wirberg besaß im Busecker Tal drei Mühlen; als Inhaber werden uns um 1580 (als sie bereits der Universität gehörten) genannt: Balzer Becker, Matthes Molenarzt von Beuern und Peter Müller von Buseck. Der letztere war der Spitzmüller.

Warum wird diese Fragestellung hier behandelt?
Wilhelm Arnold V. veröffentlichte 1930 Aufsätze über die Mühlen im Busecker Tal in der Beilage des Gießener AnzeigersHeimat im Bild. Er stützt sich dabei das Schreiben des Staatsarchivs Darmstadt, das drei Mühlen des Klosters Wirberg im Busecker Tal erwähnt. Da Arnolds Angaben später immer wieder in anderen Arbeiten zu den Mühlen des Busecker Tals verwendet wurden – teils ohne Quellenangabe – war es wichtig, diese Angaben genauer zu prüfen.


Quellen:
HStAD = Hessisches Staatsarchiv Darmstadt
Universitätsarchiv Gießen
Schreiben des Staatsarchivs Darmstadt an Wilhelm Arnold V. in Beuern vom 17. Dezember 1927

Literatur:
Wilhelm Arnold: Die Mühlen im Busecker Tal, in Heimat im Bild 1930
Albrecht Eckhardt: Zur Besitz- und Wirtschaftsgeschichte des Klosters Wirberg im Spätmittelalter (13. bis frühes 16. Jahrhundert). in: Walter Heinemeyer (Hrg.), Hundert Jahre Historische Kommission für Hessen 1897-1997 I. Teil, Marburg 1997, S. 335-357


  • 1
    HStAD E 10 Nr. 2066; Blattstempel 12
  • 2
    Balzer Becker taucht um 1580 als Müller der Dorfmühle in Beuern auf – diese stammt jedoch aus Arnsburger Besitz – UniA GI Allg. Nr. 581
  • 3
    ein Heinrich Molenarzt taucht um 1580 als Müller der Neumühle bei Beuern auf – UniA GI Allg. Nr. 581
  • 4
    ein Peter Moller (von Lohr) taucht um 1580 als Müller der Schlittenbergsmühle auf – diese stammt jedoch aus Arnsburger Besitz – UniA GI Allg. Nr. 582
  • 5
    HStAD E 10 Nr. 2066; Blattstempel 12
  • 6
    HStAD E 10 Nr. 2066
  • 7
    Heute im Universitätsarchiv Gießen.
  • 8
    Eckhardt, S. 336
  • 9
    HStAD E 10 Nr. 2066
  • 10
    Schreiben 1927
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