Geschichte der Fußmühle

weitere Namen: Speilbergmühle
Lage/Anschrift: 35418 Buseck- Großen-Buseck
Zustand: abgerissen – heute erinnert der Straßenname „Zur Fußmühle“ an ihre ehemalige Lage.
Ersterwähnung:  ca. 15801HStAD G 26 A Nr. 485/4
Infos: Wassermühle an der Wieseck  —   stillgelegt etwa 1970,  Schlaggang
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Das genaue Alter der Fußmühle lässt sich nicht feststellen. Zur frühen Geschichte liegen nur sporadische Überlieferungen vor.
Die erste Erwähnung findet sich in einer Akte des Staatsarchivs Darmstadt 2HStAD G 26 A Nr. 485/4 und darf in die Zeit um 1580 datiert werden. Damals trägt sie den Namen Speilbergmühle und ist im Besitz der Gemeinde Großen-Buseck. Müller der, dann bereits als Fußmühle bezeichnete Mühle, finden sich ab 1608 in den Kirchenrechnungen der Kirche in Großen-Buseck.

Fußmühle

Fußmühle
(c) Heimatkundlicher Arbeitskreis Buseck e. V.

In einem Eintrag im Dorfbuch von 1630 3HStAD E 12 Nr. 371/14 werden die Eigentümer der damals bestehenden elf[sic] Mühlen im Busecker Tal genannt, darunter ‚drei Hr. Hans Philipp v. Buseck gen. Münch‘.4Bei den anderen beiden Mühlen handelt es sich um die Kleinmühle in Großen-Buseck und die Neumühle in der Gemarkung Beuern.
Betrachtet man bei diesen drei Mühlenderen späteren Besitzer, dann müsste es sich um die Neumühle, die Fußmühle und die Kleinmühle handeln.

Ansonsten ist es um die Fußmühle recht still. Da sie im Privatbesitz der Familie v. Buseck gen. Münch finden wir keine Lehnsbriefe. Das Archiv der Familie v. Buseck gen. Münch wurde nach der sog. „Münchischen Erbschaft„, der Erbteilung nach dem 1750 erfolgten Tod des letzten v. Buseck gen. Münch, Friedrich Ludwig, allem Anschein nach unter den Erben der Besitzungen aufgeteilt. Hier und da nennen die Großen-Busecker Kirchenbücher und umliegender Orte einen Müller der Mühle,
Die Mühle selber taucht wie erwähnt erst nach 1750 unter den Besitztümern in der sog. „Münchischen Erbschaft“ auf. Hierbei handelt es sich um eine langwierige Erbteilung nach dem Tod des letzten männlichen v. Buseck gen. Münch. Der Geheime Rat Friedrich Ludwig v. Buseck gen. Münch war im Dezember 1750 in Winnerod verstorben ohne Kinder zu hinterlassen. Laut Testament fielen seine Besitzungen an die Kinder seiner – ebenfalls bereits verstorbenen – Schwestern. Da es zwei Generationen zuvor schon mal so aussah als ob die Familie im Mannesstamm aussterben könnte gab es in einem Heiratsvertrag den Passus, dass die Kinder der Braut (eine geb. v. Buseck gen. Münch) im Falle des Aussterbens im Mannesstamm erbberechtigt sind. Dieser Passus kam nun – nach langen Streitereien – zum tragen. Aus diesen Auflistungen aller Besitzungern um den Wert der Erbschaft festzustellen sind uns die zahlreichen Besitzungen Friedrich Ludwig v. Buseck gen. Münch bekannt.

Die Fußmühle fiel laut Teilungsvereinbarung an den Rabenauischen Stamm, der auch das Schloss in Großen-Buseck erbte. Ihr Wert um 1760 betrug 1.376 Gulden 13 Albus und 6 Pfennige. Ihr Müller leistete zu dieser Zeit jährlich Abgaben von 12 Achtel Korn und Geldabgaben von 45 Gulden 21 Albus und 7 Pfennige. Damit lieferte sie an Geldabgaben 1/8 mehr als die Kleinmühle, die ebenfalls 12 Achtel Korn plus Geld an ihren Eigentümer zahlen muss. 5HStAM Bestand 340 Schenck zu Schweinsberg Niederofleiden Nr. 119
Im Jahr 1765 kommt es zu einer öffentlichen Versteigerung aus dem Nachlass des verstorbenen Geheimen Rat v. Buseck gen. Münch. Darunter die Fußmühle.6Giesische gemeinnützige Anzeigen und Nachrichten. Zwölfltes Stück. Dienstags den 19ten Martii 1765, Seite 95 und 96
Scheinbar hat zu diesem Zeitpunkt der Gießener Anwalt Johann Balthasar Plock die Mühle ersteigert. Dies ist uns lediglich über seine testamentarische Verfügung bekannt, nach der die „die von dem verstorbenen H. Synd. Plock erkaufte von Münchische adl. freye bey Großen-Buseck gelegene Fußmühl mit zwey Gängen“ dem Gießener Armen-Hospital vermacht wurde.7HStAD G 26 A Nr. 442/8-9
Müller werden weiterhin nur sporadisch in den Kirchenbüchern genannt und scheinen nicht lange auf der Mühle geblieben zu sein. Die einzelnen Nennungen entnehmen sie bitte der Zeitleiste.


Quellen:
HStAD = Hessisches Staatsarchiv Darmstadt
HStAM = Hessisches Staatsarchiv Marburg
GemA Buseck = Gemeindearchiv Buseck
KA GBu = Kirchenarchiv Großen-Buseck

Literatur:
Giesische gemeinnützige Anzeigen und Nachrichten
Hanno Müller: Großen-Busecker Familienbuch, Fernwald-Steinbach 1993 = FB GBu


  • 1
    HStAD G 26 A Nr. 485/4
  • 2
    HStAD G 26 A Nr. 485/4
  • 3
    HStAD E 12 Nr. 371/14
  • 4
    Bei den anderen beiden Mühlen handelt es sich um die Kleinmühle in Großen-Buseck und die Neumühle in der Gemarkung Beuern.
  • 5
    HStAM Bestand 340 Schenck zu Schweinsberg Niederofleiden Nr. 119
  • 6
    Giesische gemeinnützige Anzeigen und Nachrichten. Zwölfltes Stück. Dienstags den 19ten Martii 1765, Seite 95 und 96
  • 7
    HStAD G 26 A Nr. 442/8-9
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